9. Juli 2016

Alternativen zu...neuer Kleidung #5: Maßanfertigung

Vom 31. Mai bis 5. Juli habe ich an einem Nähkurs bei der Evangelischen Familienbildung Hamburg Hamm-Horn teilgenommen, auf den ich mich schon seit Monaten gefreut hatte. Heute zeige ich Euch endlich mein Hauptwerk aus diesem Kurs.  
Eigentlich war es weniger ein Näh"kurs" als vielmehr ein Nähzirkel. Die anderen vier Teilnehmerinnen sind schon seit Jahren dabei und nutzen die Dienstagabende, um Nähprojekte umzusetzen, für die sie im Alltag keine Zeit haben. Es gibt eine Kursleiterin, die sowohl den "alten Hasen" als auch mir als Anfängerin immer mit Rat und Tat zur Seite steht. 6 Mal haben wir 2,5 Stunden zusammengesessen. Während die Anderen Sommerkleidchen nach Burda-Schnittmustern schneiderten, habe ich mir einen Wintermantel von Oma vorgeknöpft. Stoff und Farbe gefielen mir gut, aber der Mantel war mir viel zu groß. Ich wollte ihn also von Größe 46 auf 38/40 verkleinern und dabei die Knopfreihe in einen seitlichen Reißverschluss umwandeln. Letzten Winter habe ich nämlich bei vielen Mädels diese schlichten Mäntel mit seitlichem Reißverschluss gesehen, die fand ich total schick
Zwar habe ich auf Flohmärkten schon häufiger Reißverschlüsse gekauft, aber in dieser Länge bin ich leider nicht fündig geworden. Also musste ich auch im Juni wieder eine Ausnahme in puncto Neukäufe machen. Immerhin habe ich den Reißverschluss nicht online gekauft, sondern in einem kleinen Laden für Nähbedarf hier um die Ecke. Das ist in meinen Augen noch ganz akzeptabler, "guter" Konsum. :D

Wie auch immer, so sah der Mantel aus:
Ich hab komplett vergessen, ein vernünftiges "vorher"-Bild zu machen und musste im Kurs noch schnell mein Handy zücken, also entschuldigt bitte die schlechte Qualität. Das Foto gibt gar nicht genau wieder, WIE groß der Mantel war!
Das Umarbeiten war wesentlich aufwändiger als ich erwartet hatte. Beim Nähen gehen 30% der Zeit für die Planung drauf, 60% für's Stecken, Legen, Bügeln, neu Stecken, nochmal Bügeln etc. und man sitzt maximal 10% der Zeit tatsächlich an der Nähmaschine. :D Das ist wirklich ein bisschen frustrierend, denn ich bin nicht der geduldigste Mensch. Aber was soll's, ich wollte diesen Mantel unbedingt fertig haben und habe es am Ende sogar geschafft das Innenfutter mit abzuändern. Hier ist das Ergebnis:

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Klar, das war ein ganz schöner Zeitaufwand. In den Laden gehen und einen neuen Mantel kaufen geht wesentlich schneller (zumindest wenn man dabei nicht so schlimme Entscheidungsschwierigkeiten hat wie ich). Allerdings hätte ich für diese Qualität (der Mantel ist "Made in Italy" und besteht aus Schurwolle und Kaschmir) ziemlich tief in die Tasche greifen müssen. Stattdessen habe ich das vorliegende Material genutzt und etwas eigenes draus gemacht. 
 
Genau wie bei dem Kleid, das ich im Mai umgenäht habe, habe ich nun ein Kleidungsstück, das perfekt sitzt und exakt so aussieht, wie ich es gerne wollte. Das kommt bei gekaufter Kleidung nicht häufig vor!
   

Der Nähkurs bzw. die Arbeit am Kleidungsstück hat mir noch einmal tüchtig zu denken gegeben. Ich habe ja am eigenen Leib erfahren, welchen Aufwand das Nähen mit sich bringt. Wenn dann ein T-Shirt im Laden nicht einmal 5€ kostet, Wintermäntel ab 30€ zu bekommen sind und in dieser Summe ALLE Kosten (Material, Herstellung, Transport, Werbekampagnen und noch so viel mehr) enthalten sind, kann es einfach nicht mit rechten Dingen zugehen. Ich habe mal meinen hypothetischen Stundenlohn zusammengerechnet und bin dabei für meinen Mantel auf 85€ gekommen! Das kann man natürlich nicht vergleichen, weil die Abläufe in den großen Fabriken ziemlich perfektioniert sind, sodass dort sicherlich niemand zehn Stunden an einem Mantel sitzt. Dennoch zeigt der Vergleich, dass die NäherInnen in Bangladesh, Kambodia, der Türkei und wo auch immer die großen Ketten ihre Kleidung produzieren lassen viel zu wenig Lohn bekommen. Wir als Konsumenten können das leider nicht direkt ändern. Aber wir können indirekt Einfluss nehmen, indem wir unser Kaufverhalten hinterfragen und gegebenenfalls ändern.

Macht also das beste aus den Materialien und Kleidungsstücken, die Ihr schon besitzt. Ihr braucht Euch ja nicht selbst an die Nähmaschine zu setzen; sucht Euch eine/n SchneiderIn und lasst Eure Kleidung nach Euren Vorstellungen und Wünschen ändern oder anpassen. Der/die SchneiderIn wird Euch im Vorfeld sagen, was die Änderung oder Anfertigung kosten wird, und am Ende könnt Ihr Trinkgeld geben. In jedem Fall wisst Ihr genau, bei wem das Geld ankommt.

Wegen der derzeitigen Temperaturen ist mein Mantel erstmal in eine Kiste im Keller gewandert. So habe ich aber zumindest einen Grund zur Vorfreude auf den Herbst und Winter. :)

Kommentare:

  1. Wow, wirklich super toll geworden. Hut ab. Außer gerade Stiche und ein bisschen Ausbesserungsarbeiten beherrsche ich leider nähtechnisch nicht viel. Respekt vor jedem, der das so gut kann. :-)

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    1. Dankeschön! Genau, viel mehr ging bei mir vorher auch nicht. Deshalb habe ich mich dann entschlossen an einem Nähkurs teilzunehmen. Und auch wenn ich dadurch natürlich noch keine professionele Schneiderin geworden bin, haben mich die Dienstagabende auf jeden Fall vorangebracht. Also nur zu, solche Kurse gibt's bestimmt bei jeder VHS! :)

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  2. Gaaaaaanz toll sieht der aus Anna, weiter so:-)

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